Samstag, 14. Juli 2012

13

Dreizehn, eine Zahl wie jede andere. Trotzdem sträuben sich bei "13" bei abergläubischen Menschen die ersten Nackenhaare; kombiniert man selbige Zahl zusätzlich mit "Freitag", haben renommierte Astrologen in den Redaktionen verschiedener Gratiszeitungen alle Hände voll zu tun.

Für mich war die 13 diese Woche doch von gewisser Bedeutung. Am Mittwoch stand mein 13. Flug auf dem Plan, mit dem schönen Titel "Normal Circuits 4". Grundsätzlich ging es darum, uns zu wiederholtem Male durch die lokale Platzrunde zu hetzen, damit wir mit den Procedures, Checks und Feinheiten des Platzrundenfliegens vertraut werden. Was einfach klingt, hat es für Anfänger aber in sich, in der Platzrunde fällt nämlich alles, was Jungpilot so bisher gelernt hat, zusammen. Speeds wollen eingehalten werden, Abweichungen von Platzrundenhöhen und -routen ist strikte zu vermeiden (wird dies nicht getan, hagelt es Beschwerden von lokalen Fluglärmgegnern...), Klappen müssen gesetzt werden, Callouts gemacht werden, etc.
Auf unserem Heimatflughafen sieht das so aus (auch schön zu erkennen, die vielen verschiedenen mehr oder weniger relevanten Anhaltspunkte auf dem Kartenausschnitt, von mir von Hand eingezeichnet):

Wie man sieht, gibt es bei "uns" zwei Platzrunden, eine innere und eine äussere. Die äussere ist als Anfänger noch relativ einfach zu beherrschen, hat man doch etwa sieben Minuten pro Runde. Die Innere hingegen hat es in sich, sie ist kurz, dauert ca. vier Minuten und hat eine etwas verwurstelte Route (aus Lärmschutzgründen, die Standardplatzrunde wäre eigentlich ein langes Rechteck).

Unter diesen Umständen nahm für mich auf Flug 13 das Unheil seinen Lauf. Ich flog wie immer ab, fuhr meine Klappen ein, drehte ein in die erste Kurve, erreichte die Platzrundenhöhen von 2200ft und drehte über der Aare ein. "Speed checked, Flaps T/O", spreche ich an, alles ist im grünen Bereich. Ich drücke die Flugzeugnase nach unten, um das sogenannte Ballooning zu unterdrücken (Effekt des Klappenausfahrens, das Flugzeug möchte steigen, was nicht gewünscht ist), gleichzeitig sehe ich, dass ich etwas zu hoch bin, ich drücke die Nase noch mehr nach unten. Mein Blick geht nach draussen, um eine weitere Kurve einzuleiten. In dem Moment sagt mein Fluglehrer, "FourGreens, schau mal deine Speed... heieieiei!!". Ich schaue auf den Geschwindigkeitsmesser, 116kt zeigt er mir an... Ich fluche innerlich, bestätige meinem Fluglehrer, dass ich meinen Fehler erkannt habe und reduziere meine Speed auf die anzustrebenden 90kt. Blöd, dass unter dem Hebel für die Klappen "max. 110kt" steht... Ich sehe aus dem Augenwinkel, wie mein Instruktor ein grosses "- Flap overspeed" und eine "1" (not qualified) auf seinen Zettel schreibt... Na toll, eine gefürchtete Eins habe ich bekommen, und das in der zweiten Kurve, und ich soll noch 5 weitere Runden fliegen. Ich ärgere mich über mich, schlucke meinen Frust und fliege noch 5 weitere, relativ stabile Runden. Shit happens! Ich ziehe meine Lehren daraus.

Am Freitag, dem 13., waren für uns Prüfungsflüge mit einem anderen Instruktor geplant. So sass ich dann also mehr oder weniger nervös im Flieger, machte mich bereit und wartete auf meinen Fluglehrer. Bald darauf geht es los, ich melde mich bei der Ground-Frequenz an. "HB-XXX, guete Morge, taxi to holding Point E1, Runway 25, and pay attention to the tail of the PC-6, mir hei Friti dr 13, i gloub hüt mues mes säge..."

Ich schmunzle, lese zurück und rolle los, knapp zwischen dem Flugzeug eines Kameraden und besagtem Tail der PC-6. Es folgt ein ereignisloser und normaler Flug, ich muss ordentlich arbeiten, mache meine Sache aber ganz passabel und bekomme doch noch eine gute Bewertung und eine schöne Abschluss-Qualifikation der ersten Phase. Ich freue mich und fahre müde nach Hause. 34 Platzrunden bin ich diese Woche geflogen... Ich hab den Drehwurm (aber immer noch Spass - meistens ;)!


Kommentare:

  1. Ja diese Woche war...was auch immer ^^

    http://www.youtube.com/watch?v=17rM41XDPEo

    Ich stecke meine volle Hoffnung in die Navi Flüge :)!

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  2. Mmmmh, erste Gehversuche in LSZG, das weckt Erinnerungen an die guten alten Zeiten. Im TWR von LSZG hat Azubi-TWR Mädel zum ersten Mal ein richtiges Mik in die Finger gekriegt - lange ist's her...

    Gratulation zum erfolgreich erreichten Etappenziel - CONTINUE ;-)

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  3. Geradeaus fliegen ist einfacher. Da hat es schlechten Kaffee an Bord, der gute gibt's in ZRH am Boden

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